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Berichte aus unserer Kindertagesstätte

Demokratie ist einfach - ein Bericht aus der Praxis
„Hallo Kerstin, wir wollen auch eine Besprechung mit Dir!“ Am Montagnachmittag helfen einige Kinder mit, den Turnraum für unsere Teambesprechung vorzubereiten. Gemeinsam werden Stühle geschleppt und im Kreis aufgestellt. Dabei stellt sich die Frage: „Was macht Ihr da eigentlich?“
Die Erzieherin erklärt den Kindern den Ablauf unserer wöchentlichen Dienstbesprechung und was dort passiert. Die Kinder sind interessiert und wünschen sich auch eine Besprechung mit „Kerstin der Chefin“. Für den kommenden Tag machen wir einen Termin, für unsere erste Kinderbesprechung aus.
Gleich am nächsten Morgen und kaum angekommen, werde ich freudig begrüßt „ machen wir jetzt die Besprechung, ich will auch mitmachen! Ich spüre das echte Interesse der Kinder und freue mich. Ich erkläre den Kindern, dass ich erst verschiedene Aufgaben erledigen muss, aber vor dem Mittagessen Zeit für unsere Besprechung habe. Für die Kinder ist das eine lange Zeit und immer wieder kommen sie und fragen mich, ob jetzt die Zeit für die Besprechung sei.
Als es dann fast soweit ist, gebe ich den Kindern den Auftrag, allen Kindern von der Kinderbesprechung zu erzählen. Diejenigen, die mitmachen wollen, dürfen ihren Namen auf einen Zettel schreiben. Neun Kinder haben auf der Liste unterschrieben und wir treffen uns im Bauraum, zu unserer ersten Besprechung. Ich begrüße alle herzlich und erzähle den Kindern, dass die Besprechung eine tolle Idee ist. Auf meine Frage. „Über was wollt ihr denn mit mir sprechen?“, kommen ganz klare Antworten, die Kinder wissen sehr genau was sie wollen. „Wir wollen über unsere Sachen reden, über alles was blöd ist!
Ich frage nach und schreibe alles auf: Mädchenalarm, Hauen, Vordrängeln, Ausgeschlossen werden, wenn einer sagt, du darfst nicht (mehr)mitspielen, es ist doof, wenn beim Frühstück Sachen weggeschmissen werden, Turnraumregeln.
Ich frage die Kinder, was das Problem dabei sei. Die Mädchen sagen, wir wollen keinen Mädchenalarm, weil das ist blöd, die Jungs tun uns weh, die jagen uns.
Was können wir dagegen tun? Mit den Jungs im Morgenkreis darüber sprechen, stopp, hör jetzt sofort auf! sagen, eine Erzieherin holen, schimpfen.
Nach 20 Minuten haben wir einen Punkt besprochen und die Konzentration der Kinder ist erschöpft. Die Kinder waren sich einig: Nächste Woche treffen wir uns abermals, dann können wir wieder gut reden.
Beteiligung von Anfang an!
In unserem gut gelebten Alltag stehen die Kinder im Mittelpunkt. Sie sind aktiv an den Abläufen beteiligt und haben das Wort, wenn es um Entscheidungen geht. Sie haben die Möglichkeit, sich auszuprobieren, sich auszudrücken und eigene Entscheidungen zu treffen.
Demokratie lernen und erleben
Regeln und Grenzen werden zusammen mit den Kindern aufgestellt, hinterfragt und angepasst. In unserer Kita Jona lernen Kinder, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und untereinander auszuhandeln. Sie lernen sich zu beschweren. Den Kindern wird zugehört, sie werden ernst genommen und haben die Möglichkeit zur Mitbestimmung. Das ist ein Kinderrecht, gesetzlich vorgeschrieben und ein Grundprinzip der Demokratie.
Die regelmäßige Kinderbesprechung mit der Leiterin ist ein Baustein unseres Demokratiekonzepts. Sie eignet sich besonders für Kinder ab 5 Jahren. Denn Kinder mit zunehmendem Alter entwickeln immer mehr Selbstständigkeit. Sie brauchen Freiräume und echte Herausforderungen, um sich altersgerecht entwickeln zu können. Mut und Selbstbewusstsein sind für ältere Kinder wertvolle Entwicklungsziele, zu denen unsere Arbeit wesentlich beitragen kann. Sie lernen auch, dass es Regeln und Grenzen gibt, die Erwachsene oder die Gemeinschaft vorgeben. Aber grundsätzlich spüren die Kinder, dass ihre Meinung wichtig ist, dass sie etwas bewirken und verändern können.
Kerstin Wunderlich

Kreative und experimentierfreudige Krippenkinder kommen ins Gespräch

In der Kreativecke des Bistros: Farben und Papier liegen immer bereit und wer möchte, malt drauf los. Knete steht sichtbar, aber kindersicher, auf dem Regal, die Kinder wissen das und können jederzeit danach fragen.
Sprache begleitet unser (all-)tägliches Tun. Beim Kreativsein kommen die Menschen (groß und klein) ins Erzählen. Beispiel Kind (2,6): „Ich male einen Hubschrauber!“ – Claudia: „Und was macht der Hubschrauber?“ Kind: „Der ist dreckig! Der muss gewaschen werden!“ Claudia: „Und wer soll den waschen?“ Kind: „Der Abschlepper!“ Claudia: „Und wie macht der das?“
Beim Malen erzählt das Kind seine Gedanken und daraus formt sich innerlich eine Geschichte! Die weiterführenden Fragen der Pädagogin hallen im Kind nach und so übt es sich im Formulieren von Worten, von Zeitangaben, im bildlichen Denken und Ausbauen von Sätzen, Grammatik und Geschichtssträngen – und das alles lustvoll und ohne Druck! Sobald wir Erwachsenen Antworten erwarten und darauf bestehen, verstummen Kinder – Sprache wird dann nicht als etwas Lustvolles erlebt, sondern als stressig. Und Stress mindert bekanntlich die kognitiven Fähigkeiten, von allen Menschen, egal ob groß oder klein!
Kinder, deren Wortschatz schon etwas ausgereifter ist, stellen wir „offene“ Fragen – das sind solche, auf die mit einem Satz geantwortet werden kann und die das Kind anregen, ins Erzählen zu kommen, ob sie kurz oder lang antworten möchten, bleibt jedoch dem Kind überlassen. Im Gegensatz zu „geschlossenen“ Fragen, auf die nur mit „Ja“ oder „Nein“ geantwortet werden kann und die eher kommunikationshemmend wirken, wie z. B. „Hat Dir das Essen geschmeckt?“, oder „Gehst Du in den Sand?“, laden offene Fragen ein, weiterzudenken und die Lust am Sprechen zu erfahren. „Wohin gehst Du?“ Was möchtest Du in den Sand mitnehmen?“, „Was hat dir am besten geschmeckt?“, „Welchen Weg möchtest Du gehen?“, „Wohin fährt das Auto?“
Ins Gespräch kommen wir an allen Ecken und Orten. Sei es an der Garderobe beim Anziehen, auf dem Weg zur Toilette, an der Tür stehend und auf die anderen wartend, beim Essen, beim Betrachten eines Bilderbuchs… Öffnen wir unsere Ohren und lassen uns ein auf die Gedanken und Worte der Kinder, ist dies die beste alltägliche sprachliche Bildung – wir kommen miteinander ins Gespräch über das, was die Kinder bewegt! So erkennen die Kinder unser Interesse an ihren Themen und können sich so auf unser Beziehungsangebot und Gespräche einlassen. Je früher Kinder Worte finden, Worte hören, gefragt werden und sich als wertvollen Teil einer Gruppe wahrzunehmen, desto früher erkennen sie, wie Sprache wirkt und sie selbst wirksam sein können. Nicht von ungefähr heißt es: Sprache ist der Schlüssel zur Welt!
Kleinste Hinweise, Gesten und Laute, die erst zu Worten werden, sind die Hinweise, die uns Erwachsenen die Welt der Kinder zeigen – wir müssen nur genau hinhören und uns auf diese einlassen und so auch die uns selbst bekannten Wege und Zielvorstellungen mitunter verlassen. Begeistern und in Beziehung gehen können wir mit Kindern, wenn wir ihnen zeigen, dass wir zuhören und uns auf sie einlassen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass es im Flur (im Spiel) regnet und deshalb alle einen Regenschirm brauchen, weil wir sonst pitschnass werden. So lernen wir die Gedanken der Kinder zu Regen kennen, wir erfahren, wie sie sich gegenseitig helfen und (be-)schützen und was sie sich im Miteinander wünschen.
Geschichten miteinander zu spielen, neugierig sein auf das, was die Kinder sich ausdenken, sei es noch so unerwartet und lebendig im jetzigen Moment, das ist es, worauf es ankommt.
Malen, schnipseln, kneten... alles kann die Gelegenheit sein, ins Gespräch zu kommen. Und Kreativität ist eine von 100 Sprachen der Kinder, welche uns hilft, uns auszudrücken, die Welt besser zu verstehen, Sinneswahrnehmungen zu machen und beim Malen, Schnipseln, Kneten… etwas auszudrücken, wofür vielleicht noch keine gesprochenen Worte da sind.
„Wer spielt, der lernt! Wer lernt, der lebt! Wer lebt, der spielt!“ sagte Jörg Roggensack. Und Kreativität und Gestaltung sind auch nur spielerisch lustvoll erlebbar – sobald Druck ausgeübt wird, enge Zeitfenster unser Schaffen einengen oder Vorgaben und Zielvorstellungen einen kreativen Prozess beschneiden, können wir unser Potenzial nicht entfalten. Haben wir Zeit, Ruhe, Ermunterung und offene Ohren von Menschen, die sich für unser Tun interessieren und sich selbst auch mal zurückhalten können, kann der Weg das Ziel und somit alles möglich sein.
Die schönste und wirkungsvollste Wertschätzung, die wir uns Menschen gegenüber bringen können, ist es, uns gegenseitig wirklich zuzuhören!
Claudia Treichel

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