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auf der Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde Heusenstamm.
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E. AdamÖkumenischer Kindernachmittag
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Andachtstext aus dem Gemeindebrief September - November 2018

All mein Sehnen, Herr, liegt offen vor dir, mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Psalm 38,10

Ich hatte von diesem Raum gehört und wollte ihn unbedingt sehen. Seit Wochen freute ich mich darauf. Im Internet hatte ich mir bereits eine Eintrittskarte besorgt. Dann bin ich endlich da. Aber ich muss warten. Nur eine begrenzte Anzahl Personen darf gleichzeitig diesen Raum betreten. Dann darf ich losgehen. Der Raum kann nicht einfach und direkt betreten werden. Erst geht es nach rechts, dann um 180° nach links in einen weiteren Vorraum. Ich muss also umkehren, meine Richtung ändern. Freundlich spricht mich jemand an: Bitte ziehen Sie Ihre Schuhe aus und streifen sie diese Socken über.
Moses auf dem Berg Horeb fällt mir ein. Dort sagt Gott zu ihm (2. Mose 3, 5): Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!
Ich werde vorbereitet. Meine Füße sollen direkten Kontakt zum Boden haben. Dann darf ich weitergehen: Neun Stufen hinauf. Mein erster Blick fällt in den Raum, zu dem es mich hinzieht. Ich schaue wie aus der Perspektive einer Ameise. Mit jeder Stufe ändert sich das Blickfeld. Ich stehe am Ende der Treppe. Ich fühle mich gut. Der ganze Raum ist Licht. Das Licht zieht mich hinein. Ich gehe langsam durch den Raum. Der Boden fällt leicht zur Stirnwand hin ab. Ich fühle mich ruhig und geerdet. Es ist angenehm warm. Nichts lenkt mich ab. Ich schaue auf eine Wand aus Licht. Die Farbe verändert sich, ganz langsam. Ich fühle mich geborgen. Ich bin einfach nur da. Mir wird klar: Ich weiß, wo ich herkomme. Und ich weiß, wo es hingeht. Ich schaue ins Licht. So muss Auferstehung sein, denke ich: Ich werde umfangen von Unendlichkeit. Plötzlich ein Farbblitz. Kurze Dunkelheit. Ich erinnere mich an Brüche, Konflikte und Krisen in meinem Leben. Dann ist um mich herum wieder nur das ruhige, angenehme Licht. Ich stehe und schaue. Ich weiß nicht, wie lange. Zeit hat hier keine Bedeutung. Ich bewege mich im Raum. Andere Menschen bewegen sich ebenfalls. Wir bilden Beziehungen zueinander, die sich ändern und die umfangen sind von diesem ganz besonderen Licht. Ich fühle mich gestärkt, getröstet und voller Hoffnung. Ich spüre, irgendwann muss ich mich umdrehen und wieder zurückgehen, dorthin, wo her ich kam. Aber ich weiß: Ich habe einen Vorgeschmack der Unendlichkeit erfahren. Ich schaue in die Gesichter der Anderen. Manche blicken vorsichtig, manche heiter, manche nachdenklich.Jetzt kann ich mich umdrehen. Ich sehe den Durchgang, durch den ich hereinkam. Er ist dunkel, aber er macht keine Angst, denn ich spüre etwas von dem Licht des Raumes in mir.
Ich gehe langsam zurück, steige die Stufen hinunter, streife die Socken ab und ziehe mir meine Schuhe wieder an. Ich gehe zurück in meinen Alltag. Verändert. Heiter. Gestärkt. Ich weiß: Mein Sehnen und Seufzen bleibt ein Teil von mir. Aber es ist geborgen im Licht der Unendlichkeit, in Gott.
Dies habe ich erlebt, als ich im Juni im Jüdischen Museum Berlin den Raum erfahren habe, den der Künstler James Turrell gestaltet hat.
Wo haben Sie schon einmal Kraft schöpfen können?
Wo haben Sie gespürt: „Gott ist da!“?
Ihr Pfarrer Sven Sabary 

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